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In den kommenden Jahren wird es immer mehr Frauen mit höheren Bildungs- und Berufsabschlüssen geben. Da zugleich die Aufstiegschancen für sie besser werden dürften, wird die Karriereorientierung weiter zunehmen: Frauen werden den Eindruck haben, Leistung lohne sich. Spaß an der Arbeit und Freude am eigenen Erfolg werden zur Sinnerfüllung beitragen. Somit wird die Erwerbstätigkeit für Frauen einen immer höheren Stellenwert im Vergleich zur Familienarbeit bekommen.

Zudem proklamieren Wirtschaft und Politik seit einigen Jahren ein neues Mutterbild: emanzipierte, finanziell unabhängige Frauen, die ihre Kinder ein Jahr nach der Geburt einer Tagesmutter oder (Krippen-) Erzieherin anvertrauen. Und so werden immer mehr Kinderbetreuungsangebote für unter Dreijährige geschaffen und zunehmend Halbtags- durch Ganztagsbetreuung ersetzt. Da Kindertagesstätten nun Bildungseinrichtungen sind, in denen der Bildungsplan des jeweiligen Bundeslandes "abgearbeitet" wird, wissen die jungen Mütter ihre Kinder dort gut gefördert. Ferner gehen sie davon aus, dass sich auch die Grundschulen intensiv um ihre Kinder kümmern, da dort immer häufiger eine Nachmittagsbetreuung angeboten wird - sofern sie nicht schon längst Ganztagsschulen sind.

So werden immer mehr Mütter nach der Geburt ihrer Kinder immer früher und von der Stundenzahl her länger erwerbstätig sein. Zugleich werden sie Erziehungsaufgaben zunehmend delegieren: Kleinkinder werden das Krabbeln, Laufen und Sprechen nicht mehr zu Hause lernen, sondern bei Tagesmüttern und in Kinderkrippen. Erzieher/innen werden immer häufiger die Sauberkeitserziehung übernehmen und Kleinkindern beibringen, wie man sich an- bzw. auszieht und wie man ordentlich isst. Entwickelt sich ein Kind nicht richtig - kein Problem für die Mutter: Schließlich gibt es viele spezialisierte Dienste, die sich dann um ihr Kind kümmern!

Die Mutterrolle wird somit viele erziehende und bildende Funktionen verlieren. Gleichzeitig wird die Mutter-Kind-Beziehung lockerer werden, da Mütter und Kinder immer weniger Zeit miteinander verbringen. So müssen Kinder frühzeitig selbständig werden und für sich selbst sorgen.

In den kommenden Jahren wird es nicht nur immer weniger Hausfrauen geben, sondern auch immer weniger Haushaltstätigkeiten werden noch in den Familien ausgeübt werden. So werden sich viele Mütter aufgrund der längeren Arbeitszeiten immer weniger um den Haushalt kümmern. Schon jetzt bestehen Mahlzeiten häufig aus Tiefkühlkost und Junkfood, werden sie vom Pizzaservice oder anderen Lieferdiensten gebracht. Außerdem essen die Eltern an fünf Tagen der Woche an ihrem Arbeitsplatz bzw. in dessen Nähe. Die Kinder nehmen ihre Mahlzeiten immer häufiger in der Kindertageseinrichtung bzw. Schule ein. Wenn Mütter (Vollzeit) erwerbstätig sind, reicht das Geld oft für eine Putzfrau. So können Frauen das Reinigen der Wohnung delegieren - in Zukunft wahrscheinlich auch immer mehr an Roboter.

Je weniger Wertschätzung die Hausarbeit erfährt und je weniger Zeit für sie zur Verfügung steht, desto kühler, zweckmäßiger und pflegeleichter wird die Wohnung ausgestattet werden. Das Haus wird weniger ein Heim als ein (weiterer) Aufenthaltsort bzw. eine Schlafstätte sein. Die Familienmitglieder werden zu unterschiedlichen Zeiten nach Hause kommen und sich nach der "Selbstversorgung" in ihre Zimmer zwecks Mediennutzung, Erledigen von Hausaufgaben oder Gesprächen mit Freunden zurückziehen. Mahlzeiten im Familienkreis oder gemeinsame Haushaltsaktivitäten werden immer seltener werden - "Gemütlichkeit" hat ausgedient.

Mutter- und Vaterrolle nähern sich einander an

Deutlich wird, dass sich die Frau immer mehr über ihre Erwerbstätigkeit und immer weniger über Mutterschaft und Haushaltsführung definieren wird. Und dies ist unabhängig davon, ob sie aus finanziellen Zwängen, aus Freude an ihrem Job oder zwecks Selbstverwirklichung arbeiten geht. In dieser Überbetonung des Berufs wird sie von Politik und Wirtschaft - vermittelt über die Medien - unterstützt. Die Mutter überlässt somit die Betreuung, Erziehung und Bildung ihrer Kinder immer mehr Dritten. Damit nähert sich ihre Rolle schrittweise der traditionellen Rolle von Vätern an, nach der für solche Aufgaben die Ehefrauen zuständig waren. Die neuen Mütter werden immer mehr wie die alten Väter...